WESTERLAND – Es ist ein längst überfälliger Schritt in Richtung Markgerechtigkeit: Die Energieversorgung Sylt (EVS) hat zum 1. Januar die Wasserpreise massiv angehoben. Dass die Kunden darüber nur durch eine mikroskopisch kleine Annonce in der Zeitung informiert wurden, die zwischen einer Traueranzeige für einen Wellensittich und Werbung für Treppenlifte versteckt war, ist dabei Teil der neuen Nachhaltigkeitsstrategie „Papier sparen durch Schweigen“. Doch hinter der Preiserhöhung von satten 36 Prozent steckt weit mehr als Gier – es ist purer Altruismus.
Ein Sprecher der EVS, der namentlich nicht genannt werden möchte und sich hinter einem Stapel unbezahlter Mahnungen verschanzte, erklärte die Logik: „Wir haben uns jahrelang von der Sylter Gastronomie ausnutzen lassen. Wenn ein Wirt unser Leitungswasser in eine Karaffe füllt, eine Scheibe Zitrone hineinwirft und das Ganze dann als ‚Table Water Premium‘ für 12,50 Euro den Liter verkauft, fühlen wir uns als Lieferant einfach übergangen. Wir schließen mit der Preiserhöhung lediglich die Lücke zwischen Einkaufspreis und Wucher-Realität. Das ist der sogenannte Gosch-Index.“
Der Schnee-Spar-Plan
Um die aufgebrachten Einheimischen, die nun für 100 Kubikmeter Wasser plötzlich fast 100 Euro mehr zahlen als die glücklichen Menschen im „Billig-Wasser-Paradies“ Wenningstedt, zu beruhigen, hat die EVS sogleich praktische Spartipps veröffentlicht. Angesichts der aktuellen Wetterlage sei der Bezug von Wasser aus der Leitung ohnehin „dekadenter Luxus“.
„Draußen liegt genug gefrorenes Wasser rum“, so der interne EVS-Leitfaden. „Einfach drei Eimer Neuschnee auf den Herd stellen, kurz aufkochen – zack, Badewasser fast umsonst.“ Experten warnen jedoch: Der gelbe Schnee am Straßenrand sollte nur für die Toilettenspülung genutzt werden, nicht für den Tee.
Zweitwohnungsbesitzer atmen auf
Besonders erfreulich ist die neue Gebührenstruktur beim Abwasser für die sozial schwächste Gruppe der Insel: die Zweitwohnungsbesitzer. Da die Grundgebühr beim Abwasser wegfällt und nur noch nach Menge berechnet wird, sparen diejenigen, die ihre Luxus-Reetdächer nur zwei Wochen im Jahr bewohnen, bares Geld.
„Es ist nur fair“, argumentiert die EVS-Strategieabteilung. „Wer seine Penthouse-Wohnung in Kampen kaum nutzt, spült auch selten. Und wenn, dann meist Champagner, was die Rohre sogar reinigt. Warum sollen diese Leistungsträger für die ganzjährige Verdauung eines Sylter Durchschnittsverdiener-Haushalts mitzahlen?“
Die SPD hat zwar Protest angekündigt und fragt ketzerisch, ob die Sylter nun die Rendite für die Festland-Gesellschafter finanzieren müssen, doch die Lösung liegt auf der Hand: Wer sich das Wasser nicht mehr leisten kann, soll doch einfach Wein trinken. Oder warten, bis der Schnee taut.


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