Tinnum (spa) – Die Nachricht über die Vollsperrung des Bahnübergangs in Tinnum ab Sonntagabend, den 15. Februar, hat auf der Insel für weniger Aufsehen gesorgt als die nun durchgesickerten Details zum eigentlichen Betriebszustand der Anlage. Wie aus Kreisen der Instandsetzungsgruppe verlautete, diente das gelegentliche Heben der Schrankenbäume in der Vergangenheit keineswegs dem Verkehrsfluss, sondern war eine rein technische Notwendigkeit, um ein Einrosten der Mechanik durch die salzhaltige Nordseeluft zu verhindern.
Bewegungstherapie für Metall
Dass Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger die kurzen Phasen der vertikalen Ausrichtung nutzen konnten, um die Gleise zu queren, bezeichnen Experten heute als „glückliche Koinzidenz“. Im Kern handele es sich bei der Anlage um ein statisches Bauwerk, das nur in seltenen Intervallen eine „Gymnastik-Phase“ einlegte.
„Die meiste Zeit über erfüllt die Schranke ihre natürliche Funktion: Sie ist unten“, erklärt ein Techniker unter dem Siegel der Verschwiegenheit. „Wenn in den letzten Jahren mal ein Auto durchgekommen ist, dann war das für uns eher ein Indikator dafür, dass das Schmiermittel noch geschmeidig ist. Ein Nebeneffekt, den wir geduldet haben.“
Slalom für Fortgeschrittene
Während die Einheimischen den Bereich instinktiv großräumig meiden – und zwar das ganze Jahr über, nicht nur während der Bauarbeiten –, bietet die Sperrung am Montag ein gewohntes Schauspiel: Verwirrte Urlauber stehen mit gezücktem Smartphone vor den Absperrungen und versuchen, ihrem Navigationsgerät zu erklären, dass der Weg zum Rantum Becken laut Karte genau hier entlangführt.
Die konsequente Sperrung für Fußgänger und Radfahrer trifft somit die einzige Zielgruppe, die naiv genug ist, an die Passierbarkeit der Gleise zu glauben. Der Sylter hingegen nutzt die Zeit der Instandsetzung für das, was er am besten kann: Er schaut aus sicherer Entfernung zu, wie die Mechanik gefettet wird, damit sie auch in den nächsten zehn Jahren zuverlässig unten bleiben kann.
Pünktlich zum Dienstagfrühstück soll der Spuk vorbei sein. Dann ist die Schranke wieder offiziell „offen“ – was für den Kenner natürlich weiterhin bedeutet: Sie bleibt zu, außer die Gelenke brauchen mal wieder ein bisschen Auslauf.


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